
Helden(zu)tat
St. Georg und das Beste der Menschheit
ZEICHEN DER TUGEND
Herakles besiegte den Nemeischen Löwen.
St. Georg bezwang den Drachen.
Theseus tötete den Minotaurus.
In unserer modernen Welt gibt es weder Stier-Mensch-Hybriden noch feuerspeiende Echsen – zumindest nicht im wörtlichen Sinne. Sehr wohl brauchen wir aber noch immer Helden.
Der amerikanische Essayist Emerson beschrieb die Heldenhaftigkeit als „Kriegszustand der Seele.“ Ihre höchsten Ziele seien „der letzte Widerstand gegen Lüge und Unrecht zu sein, sowie die Kraft zu haben, all das zu ertragen, was ihr böse Mächte zufügen.“*
Diese Definition der Heldenhaftigkeit erinnert natürlich stark an mythische Figuren aus grauer Vorzeit. Ich glaube aber, dass hier etwas anderes gemeint ist; etwas Stilleres; etwas Alltäglicheres.
Drachen und Minotauren der Mythologie treten heute in verwandelter Form auf, und so sind moderne Heldentaten nicht unbedingt wie jene aus den Geschichten. Eine Sache hat sich aber nicht verändert: Die wichtigste Voraussetzung des Heldentums ist nach wie vor dieselbe. Egal, ob man einem Drachen in die Augen starrt oder lediglich eine unbequeme Wahrheit sagen muss: Diese Qualität – diese Heldenzutat – ist absolut unverzichtbar.
Was ist diese Zutat?
Sie ist Tapferkeit, Beherztheit, Seelenstärke – oder, ganz einfach ausgedrückt: Mut.
Warum ausgerechnet Mut?
Weil Mut die Voraussetzung für jede gute und selbstlose Handlung ist.
Mut ist die Überwindung der Angst.
Die Angst macht uns zum Diener dessen, was wir am meisten fürchten; sie raubt uns somit die Wahl unserer Handlungen.
Der Mut hingegen ermöglicht es uns, Handlungen frei zu wählen. Erst durch Mut haben die inneren Überzeugungen eines Menschen überhaupt die Möglichkeit, an Entscheidungen und Taten mitzubestimmen.
Was bringt es, wenn ich innerlich starke moralische Überzeugungen habe, mir jedoch der Mut fehlt, sie auszuleben?
Was bringt es, wenn ich innerlich selbstlos bin, aber aufgrund der Angst immer nur auf mich schaue?
Was bringt es, wenn ich – in Emersons Worten – „Lüge und Unrecht“ wahrnehme, mir aber der Mut fehlt, einzuschreiten?


Eine wichtige Zutat darf in der Heldenküche keinesfalls zu kurz kommen.


Eine Stimme gegen Sklaverei um 1844 in den USA – Emerson wusste wohl das eine oder andere über Mut. (Quelle: Wikipedia)
Erst durch das Vorhandensein von Mut bekommen meine inneren Überzeugungen, meine Moralität, meine Selbstlosigkeit und meine Liebe eine Stimme, die stark genug ist, mich zu bewegen.
Erst durch das Vorhandensein von Mut bekommen wir das Beste der Menschheit zu sehen.
In seiner Abwesenheit regiert die Angst. Und die Angst verdrängt jede innere Überzeugung, jede Moralität, jede Selbstlosigkeit und jede Liebe.
Wir sind alle zu Heldentaten fähig.
Wir müssen lediglich diese Heldenzutat in uns stärken.
Dann können wir Drachen bezwingen.
Fußnote:
*aus Ralph Waldo Emersons "Heroism", von Benen McGirr aus dem Englischen übersetzt.
***
Drachenzähmen leicht gemacht – Georg zeigt vor. (Quelle: orderofstgeorge.co.uk)
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Coren McGirr
Autorenprofil:


Schreibt seit 2022.
Liebt das Philosophieren.
Glaubt, dass jede Frage gestellt werden muss.
Wird von Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen inspiriert.
Projektprofil:
Der Carnuntiner


Mark Aurel hatte mit diesen Worten wohl Recht.
"Der Carnuntiner" fasst diesen Gedanken auf und ringt mit den wichtigen Fragen des Lebens.

"Die Kunst des Lebens gleicht eher dem Ringen als dem Tanzen."
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