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Im Vordergrund: der Mensch

Was ich beim Baumfällen in Florida lernte

EIN SINNVOLLES LEBEN

Coren McGirr

9/21/20263 min lesen

Temperatur?

Der Himmel brennt heiß.

Luftfeuchtigkeit?

Einatmen gleicht dem Ertrinken.

Die Mission?

Drei hoch aufragende Bäume zu Feuerholz machen.

Das sei, so dachte ich zumindest, die Mission. Und ich ahnte nicht, wie falsch ich lag.

Kettensäge und Axt lagen bereit. Ein Pick-Up tuckerte im Leerlauf. Die Fahrertür schwang auf. Ein alter Herr stieg aus. Gemächlich kam er auf mich zu. Er musterte die Bäume. Wir standen da. Wir schmiedeten einen Plan. Was musste beachtet werden? Wohin sollten die Bäume fallen?

Und in dem Moment erkannte ich, dass ich mich hatte täuschen lassen.

Die Größe der Bäume verführte mich dazu, zu glauben, dass sie im Mittelpunkt dieser Aufgabe standen. Aber es ging an dem Tag nicht um das Fällen der Bäume. Es ging auch nicht um das dumpfe Krachen einer Axt im Baumstamm. Und es ging weder um das Aufheulen einer Kettensäge noch um das Bändigen ihres Heißhungers – so sehr ich dies auch liebte.

Nein, diese Dinge waren lediglich Vorwände – wichtig nur, weil sie einem größeren Zweck dienten.

Worum ging es eigentlich?

Um den alten Herrn. Um den alten Herrn und mich.

Es ging um uns.

Der Pick-Up tuckerte im Leerlauf.

Das Feuerholz ist natürlich wichtig. Es ist aber nicht das Wichtigste.

Es ging um die Gespräche, die wir führten.

Es ging um die Weisheit, die er weitergab, und um die Kraft, die ich einbrachte.

Es ging um die Brücke zwischen zwei Generationen. Um das Aufeinandertreffen zweier Welten.

Wir fällten und verarbeiteten an dem Tag tatsächlich alle drei Bäume. Die Motorsäge durfte aufheulen und die Axt durfte spalten. Aber der wahre Erfolg lag nicht im wachsenden Feuerholzhaufen, sondern in der Zeit, die wir miteinander verbrachten.

Und heute noch sehe ich es ganz klar. Bei jeder Tat, jedem Ziel und jedem Vorhaben: Es geht immer um den Menschen.

Natürlich rücken sich Vorwände wie „der Baum muss gefällt werden“ gerne ins Rampenlicht. Allzu leicht könnte man dann glauben, dass es tatsächlich um den Vorwand geht; um die Aufgabe, die Arbeit, um das Finden einer Lösung. Dann verpasst man aber das wirklich Wesentliche: den Menschen.

***

Die Kettensäge heult auf.

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Coren McGirr

Autorenprofil:

  • Schreibt seit 2022.

  • Liebt das Philosophieren.

  • Glaubt, dass jede Frage gestellt werden muss.

  • Wird von Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen inspiriert.

Projektprofil:

Der Carnuntiner

Mark Aurel hatte mit diesen Worten wohl Recht.

"Der Carnuntiner" fasst diesen Gedanken auf und ringt mit den wichtigen Fragen des Lebens.

"Die Kunst des Lebens gleicht eher dem Ringen als dem Tanzen."

Florida im August.

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