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Maskenball

Entferne. Die Maske. Keinesfalls.

DER INNERE MENSCH

Coren McGirr

6/28/20263 min lesen

Du tratst in den Ballsaal ein, als du geboren wurdest.

Als Kind standest du inmitten der Erwachsenen in ihren üppigen Anzügen und Kleidern. Glanz und Glitzer schmückten ihre Kleidung und ihre Haare. Sie tanzten freudenreich zu Johann Strauß, ein Meer bunter Lichter umwob sie. Auf ihren Gesichtern saßen Masken. Manche rühmten sich mit dünnen Goldschichten, andere waren lediglich aus Papiermaché gefertigt, doch eines traf auf jeden an diesem Ball zu: Keiner entfernte seine Maske. Jemals.

Als du älter wurdest, bemerktest du, dass du der Einzige warst, der normale Kleidung trug. Also fertigtest du deine eigene Maskerade an. Nun ordentlich eingekleidet, betratst du stolz die Tanzfläche, langsam mit der Masse verschmelzend.

Du warst nun einer von ihnen.

Und du hast deine Maske nie entfernt. Jemals.

Der Maskenball reichte in Lied und Tanz tief in die Nacht hinein. Wie es das Schicksal so wollte, führte dich ein bestimmter Tanz zu einem großen Fenster. Die Schleier der Nacht verwandelten die sonst durchsichtige Fensterscheibe in einen Spiegel. Du betrachtetest dein Spiegelbild. Der Anzug glitzerte im Fenster. Die Federn wiegten sich elegant mit jeder deiner Bewegungen. Eine prunkvolle Maske schmückte das Gesicht.

Du standest dort und stauntest über den Anblick.

„Das bin ich“, sagtest du stolz. Und es war alles eine Lüge.

Unsere Welt ist ein Maskenball, in dem jeder Einzelne eine Maske trägt.

Und so trägst auch du eine Maske.

Es verdeckt dein Gesicht und damit auch dich.

An diesem Maskenball wirst du zum Tänzer, der niemals aus der Reihe tanzt.

An diesem Maskenball wirst du zum Schauspieler, und du spielst eine Rolle, die dich selbst darstellt.

Du folgst dem Drehbuch, bis der Schauspieler stirbt; und alles, was übrig bleibt, ist die Rolle selbst.

Und nun bist du so überzeugt von deiner Rolle, dass du glaubst, die Maske zu sein und nicht das Gesicht darunter.

People in masks and costumes at a lively festival
People in masks and costumes at a lively festival

Nur ja nicht die Maske abnehmen.

Bei Tag ein Fenster, bei Nacht ein Spiegel.

Und in dieser Welt, die ein Maskenball ist, ist Authentizität allein in der Kreativität der Lügen zu finden, die wir denen um uns herum darbieten. Und wir beginnen diese Lügen selbst zu glauben.

Eine Maske hat Federn, eine andere Glitzer. Keine davon ist ehrlich. Beide verbergen.

Und keiner entfernt seine Maske.

Jemals.

***

Unsere Welt: Ein Maskenball

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Coren McGirr

Autorenprofil:

  • Schreibt seit 2022.

  • Liebt das Philosophieren.

  • Glaubt, dass jede Frage gestellt werden muss.

  • Wird von Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen inspiriert.

Projektprofil:

Der Carnuntiner

Mark Aurel hatte mit diesen Worten wohl Recht.

"Der Carnuntiner" fasst diesen Gedanken auf und ringt mit den wichtigen Fragen des Lebens.

"Die Kunst des Lebens gleicht eher dem Ringen als dem Tanzen."

Unsere Welt ist ein Maskenball.

Was denkst du?

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