
Unter Ruinen verborgen
Haben wir die Geduld verloren?
ZEICHEN DER TUGEND
Sprachen befinden sich in ständigem Wandel. Im Laufe der Zeit verändert sich somit auch die Bedeutung einzelner Wörter und Ausdrücke.
Oft führt dieser Wandel zu einer Bereicherung der Sprache. Neue Konzepte, Ideen und Phrasen ermöglichen es Menschen, sich in einer sich ständig wandelnden Welt besser auszudrücken.
Manchmal kann aber auch etwas verloren gehen:
Wörter mit einst tiefgründigen Bedeutungen können in diesem Wandel jene Tiefgründigkeit verlieren. Vermutlich geschieht dies vor allem dann, wenn Konzepte, die in einer vergangenen Gesellschaft sehr fundamental und prägend waren, heute nicht mehr als wichtig gelten.
Ich spreche dieses Thema an, weil ich mich neuerdings mit der Etymologie des Wortes „Geduld“ beschäftigt habe. Und ich musste feststellen: Da haben wir tatsächlich einiges verloren.
Unsere moderne Geduld ist nicht viel mehr als ein Schatten ihrer einstigen Bedeutung.
Heute wird unsere Geduld gefordert, wenn wir im Stau stehen oder die Warteschlange an der Kasse lang ist. Sie begegnet uns vor allem dann, wenn wir warten müssen: Ich möchte etwas tun, ich möchte etwas haben, ich möchte mit etwas fertig sein, aber jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür, also muss ich geduldig sein.
Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Geduld führt uns zu einer etymologischen Vorfahrin aus dem 8. Jahrhundert: Githult.
Diese mittelalterliche Githult liegt tief verborgen unter den Ruinen alter Klöster und Burgen. Dort, vergessen inmitten rostiger Schwerter, finden wir ein tieferes, heute etwas befremdliches Konzept:


Ewiger Verkehr! Geduldig sein heißt es.


Die verlorene Githult - bei den rostigen Schwertern noch zu finden.
Githult ist nicht warten.
Sie ist das Ertragen von Leid, ohne zu jammern.
Sie ist das Durchhaltevermögen trotz unangenehmer Verhältnisse.
Sie ist die Abwesenheit der Selbstbemitleidung.
Unser Leben ist geprägt von Leid, Schwierigkeiten und Ungerechtigkeit.
Die Githult bietet darauf eine tugendhafte Entgegnung:
Jemand tut dir Unrecht. Du hast allen Grund, dich darüber zu beklagen. Du könntest dich zum Opfer erklären, zurückschlagen, verbittert werden, selbst ein Unrecht begehen.
Aber die Githult sagt: Nein.
Sie erkennt.
Sie erträgt.
Und sie bleibt githultig.
***
Ob dieses Wort auch einst auf der Hainburger Burg verwendet wurde? (Quelle: Wikipedia)
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Coren McGirr
Autorenprofil:


Schreibt seit 2022.
Liebt das Philosophieren.
Glaubt, dass jede Frage gestellt werden muss.
Wird von Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen inspiriert.
Projektprofil:
Der Carnuntiner


Mark Aurel hatte mit diesen Worten wohl Recht.
"Der Carnuntiner" fasst diesen Gedanken auf und ringt mit den wichtigen Fragen des Lebens.

"Die Kunst des Lebens gleicht eher dem Ringen als dem Tanzen."
„Nicht demjenigen gleich zu werden, der uns Unrecht getan hat. Das ist das Ziel.“








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