Die Lüge

Von Wölfen gehetzt

ZEICHEN DER TUGEND

Coren McGirr

4/17/20263 min lesen

Der Opa erzählt seinem Enkelkind schon zum zehnten Mal dieselbe Geschichte aus seiner Jugend:

Einmal wurde ich beim Wandern von acht Wölfen gejagt. Nur weil ich einen Baum hinaufkraxelte, kam ich davon.“

Das Kind überlegt kurz und erwidert: „Letztes Mal hast du gesagt, dass es nur vier Wölfe waren.“

Darauf der Opa: „Ja, letztes Mal warst du auch zu jung, um die ganze Wahrheit zu hören.“

Das ist zwar ein klassischer Witz, doch es geht hier um ein ernstes Thema: die Lüge.

Hat der Opa sein Enkelkind angelogen?

Ist Lügen immer falsch?

Ist die Notlüge gut?

Viele Fragen tauchen auf.

Fangen wir vielleicht mit dieser an:

Was ist eine Lüge?

Eine Lüge ist der Versuch, die Realität verzerrt darzustellen.

Meistens wird dies getan, um den unangenehmen Folgen einer eigenen Handlung auszuweichen.

Denn an alle Worte, Entscheidungen und Taten sind bestimmte Konsequenzen gebunden.

Wir lügen, weil wir uns selbst oder andere vor diesen Konsequenzen bewahren möchten.

Die Lüge verspricht, Handlungen von deren Folgen zu trennen.

Doch die Lüge lügt – wer hätte das gedacht?

Die Realität hat eine nervige Art, Konsequenzen nicht einfach in die Luft verschwinden zu lassen: Konsequenzen werden durch Lügen nicht ausgelöscht, sondern lediglich aufgeschoben. Peinlich oft werden sie zu einem späteren Zeitpunkt – nicht selten mit Zinsen – vergelten.

Ein Geflecht aus Lügen - wie oft verfangen wir uns darin?

Ewig kann man nicht im Baum verharren.

Wenn wir also versuchen, mithilfe von Lügen den Folgen unserer Handlungen zu entkommen, dann hetzen sie uns durch das Leben – genau wie die Wölfe den Opa den Baum hochgejagt haben. Aber ewig kann man nicht im Baum verharren. Die Wölfe warten aber – ein Leben lang.

Auf kurze Sicht scheint es oft, als würde sich eine Lüge auszahlen. Die Konsequenzen scheinen unerträglich zu sein; die Versuchung, ihnen auszuweichen, zu groß.

Doch die Wölfe erschöpfen nie.

Lass dich nicht von ihnen durchs Leben hetzen.

Sei stets ehrlich. Lüge nicht.

… Lüge nie.

Wie sieht es aber mit der Notlüge aus?

Ist sie vielleicht die Ausnahme, die die Regel bestätigt?

Weiter geht's in Teil II.

***

Eine Lüge hinterlässt Spuren.

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Coren McGirr

Autorenprofil:

  • Schreibt seit 2022.

  • Liebt das Philosophieren.

  • Glaubt, dass jede Frage gestellt werden muss.

  • Wird von Gedanken, Gesprächen und Erlebnissen inspiriert.

Projektprofil:

Der Carnuntiner

Mark Aurel hatte mit diesen Worten wohl Recht.

"Der Carnuntiner" fasst diesen Gedanken auf und ringt mit den wichtigen Fragen des Lebens.

"Die Kunst des Lebens gleicht eher dem Ringen als dem Tanzen."

Als Volksschüler las ich in einem Schulmagazin einen Witz, der mir heute noch in Erinnerung bleibt:

Was denkst du?

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